«Singapur», ein Drei-Phasen-Projekt aus Sicht der Eltern

1. Enthusiasmus

Vom ersten Augenblick an, an welchem das Projekt «Singapur» auf dem Familienradar erschienen ist, herrschte Enthusiasmus. Alle waren begeistert, das Thema ist immer wieder spontan aufgekommen und das Umfeld wurde informiert. Es war von Anfang an klar, dass es sich hier um etwas Grosses handelt und dass man so etwas nicht einfach nur geschenkt erhalten würde.

Der Informationsabend im Sonnenhof war nicht nur informativ, sondern hat Erwartungen geschürt und vermittelt, dass das ein echtes Projekt ist. Spontan dachte ich an «Schweiz sucht den Superstar», dem damit verbundenen Aufwand und die mögliche Enttäuschung, falls es irgendwann «leider nein» heisst. Schlussendlich hat aber ein Satz von meiner Tochter all diese Gedanken zunichte gemacht: «Papi, ich möchte es versuchen und wenn’s nicht klappt, dann ist’s absolut ok!»

 

2. Harte Arbeit

Das Bewerbungsschreiben: nach dem ersten Brainstorming meiner Tochter kam die Diskussion über die Formulierung: wir schwankten zwischen super-formell / langweilig und absolut-persönlich ohne förmlichen Charakter. Nach ein paar Diskussionsrunden und vielen Dateiversionen war meine Tochter endlich happy mit dem Schreiben.

Die Themensuche: alle fünf Kinder und die Eltern hatten Ideen, jeder dachte natürlich, dass sein Thema das Ticket nach Singapur sei, aber schlussendlich hat sich unsere Tochter entschieden und zwar für die von ihr eingebrachte Idee: «Kinder im Ägerital»

Die Präsentationsvorbereitung: die heisse Phase: nun ging es für meine Tochter darum die Geschichte zu Papier, resp. in PowerPoint zu bringen. Viele Stunden vor dem Laptop. Die ganze Familie schwirrte immer wieder um meine Tochter, um die Evolution der Singapur-Geschichte mitzuverfolgen. Kaum war dieser Schritt geschafft, kam die Website dran. Das erste Mal, dass in dieser Familie eine Webseite geschaffen wurde: der älteste Bruder setzte den Rohling auf, meine Tochter hämmerte den Inhalt rein, «verschönerte» die Seiten und der Vater korrigierte die englischen Passagen.

Die Nervosität: als die Folien standen und die Webseite fertig war, dachten wir: jetzt ist’s geschafft. Aber dann kam das Üben für die Präsentation. Jeder von uns hat einige Male zuhören und seinen Senf dazu geben dürfen. Mit der Zeit hätten einige von uns den Vortrag halten können, aber natürlich niemand so eloquent, wie meine Tochter. Kurz vor dem Vortrag kam dann die Nervosität auf. Vor allem wenn sich meine Tochter vor Augen führte, worum es geht, fing das Lampenfieber an zu hämmern.

Das Warten: kaum war die Präsentation vorüber, kam das lange Warten. An manchen Tagen wurde der Briefkasten viele Male pro Tag besucht.

 

3. Erleichterung und Vorfreude

Dann endlich kam der Brief, der grosse Moment und Freudentränen. Als Vater habe ich mich natürlich enorm gefreut, aber wirklich erstaunt hat mich, dass alle Geschwister sich von Herzen mit meiner Tochter freuen konnten, Eifersucht hatte keinen Raum.

 

Dankeschön

Ich möchte ein grosses Dankeschön an die Schule richten, nicht nur für die Möglichkeit, dass meine Tochter nach Singapur reisen kann, sondern vor allem für den professionell geführten Prozess, das proaktive Informieren der Eltern und das Streben, dass jedes Kind eine echte Chance erhält. DANKE!

 

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Erfahrungsbericht Singapur - Familie Werwitzke

„Ich kann mit der Schule nach Singapur!“ Freudestrahlend stand unser Sohn Damian vor uns. „Das wird super, da muss ich unbedingt hin.“ Nun nimmt man als erprobte Erziehungsberechtigte ja nicht alles wörtlich, was einem der Nachwuchs bruchstückhaft und oft auch erst auf Nachfrage offenbart. Ohnehin ist man gewöhnt, aus den einzelnen und oft zusammenhangslosen Halbsätzen und Versatzstücken, durch Nachfragen bei Klassenkameraden, anderen Eltern und als letzte Instanz direkt bei den Lehrpersonen, langsam eine zusammenhängende Story zu entwickeln.

Doch zurück zu unserem Sohn, der sichtlich aus dem Häuschen ist. „Du meinst sicher St. Gallen oder Zuoz, aber nicht Singapur. Singapur ist ein Stadtstaat in Südostasien und wirklich ganz weit weg. Das ist ein Hub für Asienreisen, Geschäftszentrum und ein Urlaubsparadies, aber sicher keine Destination für einen Schulausflug.“ Doch Damian gab sich unbeeindruckt: „Doch, wirklich. Singapur!“ Also nächste Eskalationsstufe: „Wo ist der Elternbrief? Oder liegt der wieder zerknüddelt irgendwo in Deinem Schulranzen?“ „Kommt noch. Ich will jedenfalls dahin. Habe mich schon erkundigt: Dort gibt es den grössten Infinity-Pool der Welt, den muss ich sehen.“ Für Damian jedenfalls war die Sache sonnenklar.

Unsere Recherchebemühungen haben dann tatsächlich bestätigt: Es geht nach Singapur! Nicht alle Schüler, sondern nur einige wenige, die sich über ein strenges Auswahlverfahren qualifizieren müssen. Was für eine Chance, was für Möglichkeiten unsere Kinder heute haben. Unsere Schulausflüge und Klassenreisen fanden in der nächsten Umgebung der Schule statt, sicher aber im Inland. Und jetzt hat ein 11-Jähriger die Chance, an einem Schüleraustausch nach Singapur teilzunehmen. „Wirst Du denn kein Heimweh bekommen, ohne Deine Familie so weit weg?“ Unser Sohn schaut uns ungläubig mit einem Stirnrunzeln an. „Nö. Im Ferienfussball-Lager in England habe ich Euch ja auch nicht vermisst.“ Ach so, dann ist das ja auch geklärt. Soll man sich nun über so viel Selbstständigkeit freuen oder bedauern, dass die Kreise grösser werden und Eltern ganz offensichtlich nicht mehr der Nabel der Welt für die Kinder sind? Und wenn sich der Knabe so erwachsen gibt, dann bitte mit aller Konsequenz: „Gut, Grosser. Aber eines ist Dir hoffentlich klar: Das ist Dein Projekt, nicht ein Mama- / Papa-Projekt. Du willst nach Singapur? Dann leiste etwas dafür und siehe zu, dass DU dich richtig reinhängst. Motivationsschreiben, das Thema, die Präsentation, der Vortrag, darum musst Du dich schon selber kümmern. Dann zeigt sich auch, ob es Dir wirklich ernst damit ist. Und wenn nicht, dann sollte besser ein anderes Kind nach Singapur reisen.“

Ganz so konsequent waren wir dann doch nicht. Die Themenwahl für den Vortrag war, wie man heute sagt, einem Familien-„Brainstorming“ vorausgegangen. Und auch das eine oder andere You-Tube-Video zu den verschiedenen Präsentationstechniken haben wir uns gemeinsam angeschaut. Denn You-Tube ist doch deutlich glaubwürdiger als die Eltern mit ihren antiquierten Ratschlägen und Vorstellungen. Bemerkenswert war wirklich die intrinsische Motivation von Damian, die wir an einigen anderen Stellen doch hin und wieder vermissen. „Ich gehe jetzt ins Arbeitszimmer und arbeite an der Präsentation weiter“ haben wir nicht nur an einem Abend gehört. Und sogar unser Vermieter Gustav Iten wurde auf Material für den Vortrag angesprochen, was sich als Glückstreffer erwiesen hat. Das Privatarchiv einer alteingesessenen Familie aus Unterägeri ist eine nahezu unerschöpfliche Quelle lokaler Zeitdokumente und war für den Vortrag eine enorme Bereicherung.

Damians Einsatz hat sich ausgezahlt, er ist dabei. Und für ihn ist es eine Lehre für das weitere Leben: Voller Einsatz, dranbleiben, auch mal was anderes wagen und dann wird es schon klappen. Und wir sind jetzt froh, dass wir die Standard-Fragen: „Habt Ihr schon etwas wegen Singapur gehört? Ist der Brief endlich da?“ als Begrüssung von Damian nach der Schule nicht mehr hören müssen.

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