Kurzüberblick über die Begabungs- und Begabtenförderung an den Schulen Unterägeri

Die Begabungs- und Begabtenförderung - kurz BBF - richtet sich an jene Kinder, welche im regulären Unterricht unterfordert sind, weniger Übungsphasen benötigen und/oder ihre Leistung nicht entfalten oder abrufen können. Die BBF bietet den Kindern die Möglichkeit, an ihren Stärken zu arbeiten. Eine Schlüsselfunktion bei der Auswahl der Kinder übernimmt die Klassenlehrperson.




Aus: Bildungsdirektion des Kantons Zürich (Umsetzung Volksschulgesetz, Sonderpädagogische Angebote, 2007)


Aktuell gibt es an den Schulen Unterägeri folgende Angebote:

  • Integrative Zusatzangebote im Regelklassenunterricht durch die Klassenlehrperson/SHP
  • Ressourcenzimmer
  • Workshops durch die Fachlehrperson BBF oder Fachexperten
  • Separativ angeleitete Zusatzangebote durch die Fachlehrperson BBF
  • Projektunterricht, durch die Fachlehrperson BBF oder durch die Klassenlehrperson/SHP
  • Überspringen einer Klasse
  • Erfassung von Schüler*innen durch die Fachlehrperson BBF (keine Potenzialabklärung)
  • Beratung und Unterstützung von Lehrpersonen, Schulleitung und Eltern
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Weitere Angebote sind in Planung.



Weiterführende Informationen zur Begabungs- und Begabtenförderung

 Enrichment

Von Enrichment (Ergänzung) spricht man, wenn Schülerinnen und Schüler die Grundanforderungen erreicht haben und an weiterführenden Zielen arbeiten. Dabei sollen nicht nur die fachlichen Kenntnisse erweitert werden. Vielmehr sollen die Kinder durch diese Angebote angeregt werden, neue Lernmethoden und Denkweisen zu entwickeln. Enrichment soll sich an den Bedürfnissen und Interessen der Schülerinnen und Schüler orientieren. Es gibt unterschiedliche Formen und Möglichkeiten von Enrichment. Diese können integrativ oder separativ angeboten werden.

An den Schulen Unterägeri gibt es aktuell folgende Angebote dazu:

Integrative Zusatzangebote durch die Regelklassen-LP

Die integrative Förderung ist zentrales Element des täglichen Unterrichts. Kinder mit schneller Auffassungs­gabe benötigen weniger oder teils keine Übungsphasen. Ziel ist es, dass diese Kinder im Unterricht an erweiterten Zielen arbeiten können. Es soll also nicht «mehr vom Gleichen», sondern Aufgaben mit weiteren oder anderen Anforderungen zur Verfügung gestellt werden. Die Klassenlehrperson kennt den aktuellen Wissensstand der Schüler*innen ihrer Klasse und entscheidet situativ, welche Kinder zu welchem Zeitpunkt welche Art von Enrichment-Angebot benötigen. Die Heilpädagogin/Der Heilpädagoge unterstützt und begleitet die Klassenlehrperson. Die Fachlehrperson BBF kann bei Bedarf beigezogen werden.

Workshops

Dieses Angebot richtet sich an Schüler*innen, welche eine Teilbegabung aufweisen, jedoch nicht die Ressourcen haben, während eines ganzen Jahres bestimmte Lektionen im Regelklassenunterricht zu verpassen. Workshops sind zeitlich begrenzt (zwischen 4 bis 7 Wochen à 2 Lektionen) und werden an einem zuvor fixierten Zeitfenster angeboten. Je nach Leitung ist es möglich, dass unterschiedliche Workshops an verschiedenen Tagen stattfinden. Workshops finden vor Ort statt und sollen für möglichst viele Kinder zugänglich sein. Deshalb wird auf eine Vielseitigkeit an Themen zu den unterschiedlichen Intelligenzen nach Gardner Wert gelegt. Die Auswahl der Schüler*innen geschieht grundsätzlich aufgrund der Beobachtungen der Lehrpersonen. Eine ausgewiesene Hochbegabung ist nicht notwendig.

Projektarbeit

Individuelle Projekte orientieren sich an den Bedürfnissen und Interessen der Schüler*innen und erfordern strukturiertes Arbeiten. Die Fachlehrperson BBF führt die Schüler*innen in die sieben Schritte-Methode nach IIM ein und betreut sie einmal pro Woche während 1 oder 2 Lektionen. Sie gibt Inputs und baut mit ihnen die notwenigen methodischen Fähigkeiten auf. Im Unterschied zu bekannten Pull-Out-Angeboten für hochbegabte Schüler*innen arbeiten die Kinder bei einem Projekt dieser Art wenn immer möglich auch während der regulären Unterrichtszeit daran weiter. Um die Lernfortschritte zu dokumentieren sowie die Verbindlichkeit aufrecht zu erhalten, wird ein regelmässiger Besuch (mindestens 1x pro Woche) bei der Fachlehrperson BBF vorausgesetzt.

Wichtig bei einem Projekt ist, dass:

  1. das Thema (und somit das Fach) frei wählbar ist.
  2. die Arbeit verbindlich ist.
  3. auf ein Produkt hingearbeitet wird (sichtbar machen des Gelernten).
  4. das Produkt oder die Erkenntnisse präsentiert werden.

Das Kind entscheidet im Einverständnis mit der KLP und/oder Fachlehrperson BBF, woran es arbeiten möchte. Das Thema, benötigtes Material sowie die Ziele werden definiert.

Der Einstieg in die resp. das Verlassen der Projektgruppe ist grundsätzlich auf Semesterwechsel möglich. In begründeten Fällen entscheidet die Fachlehrperson BBF, ob davon abgewichen wird.

Separative Zusatzangebote Mathe/Deutsch/NMG

Es gibt Schüler*innen, welche noch nicht über den notwendigen Eigenantrieb für ein eigenes Projekt verfügen. Dies bedeutet nicht, dass keine BBF angezeigt ist. Solche Kinder können ihr Potenzial aktuell jedoch erst entfalten, wenn die (anspruchsvollen) Aufgaben durch die LP vorgegeben und begleitet werden. Sie kommen daher auch nicht mit dem Zusatzangebot im Klassenzimmer zurecht und klagen teilweise - trotz Angebote der LP - über Langeweile. Dieses Förderangebot eignet sich daher für jene Kinder, welche noch nicht so gut selbständig arbeiten können und einen geführten Unterricht benötigen. Die Themen werden durch die Fachlehrperson BBF vorgegeben und eng begleitet. In dieser Gruppe werden die Schüler*innen jedoch mit ähnlich begabten und interessierten Kindern zusammenarbeiten, was motivierend und leistungssteigernd sein wird. Die Kinder haben zudem die Möglichkeit, auch im Regelklassen­unterricht weiter an den Aufgaben zu arbeiten.

 Akzeleration

Unter Akzeleration versteht man das Beschleunigen des Lernprozesses. Dieses Angebot wird dann in Betracht gezogen, wenn die Enrichment-Angebote nicht ausreichen. Die Forschung zeigt, dass mit beschleunigenden Massnahmen die Motivation und damit auch die Leistung verbessert werden können. Ausgebremst zu werden kann für ein Kind mitunter zu erheblichen Schwierigkeiten führen und die Leistungsmotivation deutlich senken. Ziel jeder Fördermassnahme ist die Gesamtpersönlichkeits­entwicklung und das Wohlbefinden des Kindes.

Die Schulen Unterägeri praktizieren aktuell zwei Angebote: Compacting und Klassensprung.

Compacting besteht darin, Unterrichtsstoff zu kürzen und in der «gewonnenen» Zeit Lernstoff anzureichern, was mittels Enrichment-Angeboten) geschieht.

Das Klassensprung (Überspringen einer Klasse) wird dann in Betracht gezogen, wenn begabte Schülerinnen und Schüler trotz Fördermassnahmen weiterhin eine Unterforderung zum Ausdruck bringen. Die Forschung zeigt, dass unter anderem mit beschleunigenden Massnahmen die Motivation und damit auch die Leistung verbessert, sowie das Wohlbefinden gesteigert werden kann. Das Überspringen einer Klasse ist jedoch keine eigentliche Fördermassnahme, sondern eine strukturelle Anpassung.